Industriedesign für Elektronik hat mehrere Funktionen zu erfüllen. Gegenstände sollen mit der verfügbaren Technik in großen Stückzahlen zu möglichst günstigen Preisen hergestellt werden können. Aber die Herstellung vieler Stück garantiert noch nicht den Verkauf vieler Produkte. Man trachtet danach, die Produkte so zu gestaltet, dass sie möglichst vielen Menschen gefallen. Für den Industriedesigner im Elektronik-Bereich ist das mitunter eine diffizile Angelegenheit. Am ehesten gelingt das, wenn man sich insbesondere auf die visuellen und haptischen Erlebnisse konzentriert.

Elektronische Produkte sind heute sehr komplex, oft auch kompliziert. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an das Design und die Fähigkeit durch entsprechende Form den Benutzer anzuleiten. Die Gestaltung der Gegenstände kann wertvolle Hinweise für die Verwendung geben. Damit ist Industriedesign für Elektronik-Produkte ein entscheidender Faktor für den Erfolg am Markt.

Funktion und Zeitgeist

Ein Gegenstand, dem man klar ansieht wie man ihn zu gebrauchen hat, wird eher akzeptiert als einer, der den Nutzer zum Studium eines hundertseitigen Handbuchs zwingt. Bei der Gestaltung von Elektronikprodukten liegt also großes Augenmerk auf der Kommunikation durch entsprechende Form; semantisches Design, sagten wir früher dazu.

Auf der anderen Seite sollen solche Produkte auch den Zeitgeist widerspiegeln. Der Benutzer wünscht oft, dass sichtbar ist, dass er das neueste Produkt einer bestimmten Gattung verwendet – zumindest solange es noch das Neueste ist. Auch hier wird der gute Elektronik-Industriedesigner seine Verantwortung wahrnehmen und die Gegenstände tendenziell langlebig gestalten, so das die Technik zulässt. Wenigstens die Form soll nicht so schnell »alt werden« – benutzbar sind diese Geräte ohnehin meist deutlich länger. Wenn es nun also gelingt, den Gegenstand so zu gestalten, dass dieser in Würde altert und zum Benutzer »Beziehung aufbauen« kann, dann würde damit ein Beitrag zum Ressourcen sparen geleistet werden.

Die Vielschichtigkeit des Elektronik-Industriedesigns

Auch hier lässt sich wieder klar auf die Vielschichtigkeit des Elektronik-Industriedesigns hinweisen: die Form soll zum einen den Gebrauch erleichtern und Hinweise auf die Handhabung geben und zum Zweiten den Benutzer bei seiner Selbstdarstellung unterstützen. Drittens aber, soll die Form auch die Marke vermitteln. Design ist ein wesentliches Mittel um Markenidentität zu entwickeln und zu festigen. Sehen Sie sich die Fernbedienung für Siemens an und vergleichen Sie sie mit dem Diktiergerät für Philips.

Elektronik-Industriedesign für Siemens ePen Hörgeräte-Fernbedienung Elektronik-Industriedesign für Philips Digital Pocket Memo Diktiergerät

Ein guter Elektronik-Industriedesigner kann »seine Handschrift« an den Kunden anpassen und auf diese Weise einen Beitrag für einen konsistenten Markenauftritt leisten. Dennoch wird der gute Industriedesigner darauf achten, dass das Produkt aus Benutzersicht bestens zu gebrauchen ist, d.h. so gut das im kaufmännischen Rahmen möglich ist. Manchmal ist das Ideal für den Benutzer eben ein unerreichbares Ideal. Dann nämlich, wenn dieses Ideal zwar technisch möglich aber kaufmännischer Unsinn wäre, etwa wenn das Produkt 25fach teurer als vergleichbare Mitbewerbsprodukte wäre.

Otl Aicher sagte einmal, der Designer lebe nicht leicht, denn er muss sich mit all diesen Dingen auseinandersetzen. Doch der will es. Er will den bestmöglichen Gebrauchswert zum niedrigmöglichsten Preis und dabei dennoch seinem Auftraggeber dienen und dessen Marke vermitteln und Umsatz und Gewinn erwirtschaften helfen. Das ist viel.

 

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